Mai / Juni 2019

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Bericht vom Neujahrsseminar 2018 / 19

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Mit Mozarts überschäumender Lebenskraft ins neue Jahr

Ihrem temperamentvollen vierten Satz verdankt Mozarts letzte Symphonie den Beinamen des strahlenden Gottes Jupiter. Eine Musik wie geschaffen für den ersten Januar, um schwungvoll ins Neue Jahr aufzubrechen. Drei Sätze gehen ihr jedoch voraus, welche auch dem Seminar den Namen „Mozarts langer Weg zum Licht“ gaben. Der Auseinandersetzung zwischen den zwei konträren Themen im ersten Satz (ein schwächelndes und ein wie ein Ruf forderndes) und deren steter Entwicklung widmete sich Gebhard von Gültlingen.

Im zweiten, zuweilen dunklen und spannungsvollen Satz zeigte Carola Zenetti die Hoffnung gebenden Entwicklungen auf, die sich darin abspielen. Schon am Nachmittag des Silvestertages begann Alvaro Escalante mit der Präsentation des 4. Satzes und ließ die Gruppe die strahlende Kraftfülle dieser Musik erleben. Die durchgehend polyphon gehaltene Musik war eine Herausforderung für alle. Doch unter der meisterhaften pädagogischen Führung von Alvaro Escalante war sie sogar für neue Hörerinnen und Hörer mit Freude und Lust zu meistern. Mit ihr endete das Seminar am Mittag des 1. Januars. Begeistert von der Strahlkraft dieser Musik fuhren die Teilnehmenden, besonders die Neulinge bei Musicosophia, wieder nach Hause, waren sie doch tief bewegt von den bedeutungsvollen und gleichzeitig lebensfrohen Aussagen dieser außerordentlichen Musik. Begeisterte Rückmeldungen noch Wochen nach dem Seminar bestätigten die nachhaltige Wirkung.

Gebhard von Gültlingen hatte zwar das alte Jahr mit dem 3. Satz und einem kurzen Überblick der Entwicklungsidee, welche alle Sätze zusammenhält, beschlossen, die Mitternachtsmusik zur Begrüßung des neuen Jahres stammte aber aus der h-moll Messe von J.S. Bach: „Gloria“ und „et in terra pax“. Damit sollte schon auf diesen Komponisten hingewiesen werden, dem 2019 die großen Seminare gewidmet sein werden. Auch hierzu herzlich willkommen!

Carola Zenetti

Joseph Haydn, der bekannte Unbekannte

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Macht Lust auf mehr!“ So der spontane Ausruf einer Teilnehmerin am Ende des Seminars. Was hatten wir erlebt, das solche Begeisterung auslöste?

Morgens hatte sich ein knappes Dutzend Menschen aus Freiburg und Umgebung zusammengefunden, um mit der Musicosophia-Methode Musik des „bekannten Unbekannten“ zu hören. Tatsächlich hatte eine Hörerin Haydn ausschließlich mit seinen Messen in Verbindung gebracht.

Klein fingen wir an, und lernten eine der zahlreichen Facetten des Komponisten mit dem heiteren Menuett in G-Dur aus HOB. IX:11 kennen.
Im Streichquartettsatz Adagio e cantabile aus op. 42 in d-Moll begegnete uns ein ganz anderer Haydn. Eine nachdenkliche Melodie nahm uns auf, die auch Abgründiges berührte, und zu einem friedlichen Schluss fand.

Der Nachmittag gehörte dem berühmten zweiten Satz aus der Symphonie Nr. 94 in G-Dur „Mit dem Paukenschlag“. Der „Knalleffekt“ verfehlte seine Wirkung nicht und zeigte Haydns humorvolle und volkstümliche Seite – im Verlauf der Variationen aber auch seinen Sinn für das Tröstliche, indem kraftvolle Töne überraschend mit zarten wechselten.

So hat uns Haydns Musik durch abwechslungsreiche Gefilde geführt, und uns reiche Erlebnisse beschert. Es wird also unbestreitbar Freude machen, noch mehr Werke von diesem Komponisten kennenzulernen!

Carola Zenetti

Der Klang der Heiterkeit


.Das Frühlingseminar der Musicosophia 2018 in Zürich
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Gemäss Ausschreibung des Seminars ermöglicht die Heiterkeit „eine Distanzierung von den Widrigkeiten des individuellen und gesellschaftlichen Lebens. Sie hilft, das Leben erträglich zu machen. Betrachtet man die Heiterkeit als ästhetisches Phänomen, dann hilft auch die so verstandene Kunst, sich vom zeitweise trostlosen Leben zu distanzieren.“

Der Tag hätte nicht besser zum Thema des Seminars passen können: Es ist einer der ersten warmen, wolkenlosen Frühlingstage des Jahres, die Primeln vor dem Seminarraum leuchten in allen Farben, die ersten Bäume öffnen ihre Knospen und Vögel pfeifen um die Wette.

Im Seminarraum beschäftigten sich während des ganzen schönen Frühlingstages die Teilnehmenden des Seminars mit der Frage, wie sich denn im Klang der Musik Heiterkeit ausdrückt. Begonnen wurde mit dem Volkslied „Wer recht in Freuden wandern will, der geht der Sonn‘ entgegen, …“

Dann folgte die eigentliche Hauptarbeit, als sich die Teilnehmenden geraume Zeit mit dem Streichquartett KV 80 in G-Dur von Wolfgang Amadeus Mozart (1756 – 1791) beschäftigten.

Die Auseinandersetzung mit Mozarts Streichquartett war sehr intensiv und ergiebig und die positive Gruppendynamik tat ihr übriges. Die Ergebnisse lassen sich allerdings nicht in Worte fassen, man muss schon am Seminar teilgenommen haben, um mitzuerleben, was geistig abläuft. Auf jeden Fall haben die Teilnehmenden die diesem Musikstück innewohnende „göttliche innere Ordnung“, die sich eben in der Heiterkeit des Klangs manifestiert, nachspüren können.

Dann beschäftigten wir uns mit einem völlig anderen Musikwerk, dem „Concert C-Dur für 2 Trompeten, Streicher und Basso Continuo“ von Antonio Vivaldi.

Und ganz zum Schluss kam es nochmals ganz anders: Johann Sebastian Bachs Choral „Jesus bleibet meine Freude“ aus der Kantate BWV.

Der Dank für das gelungene Seminar ergeht erneut an Frau Renate Schwab, die uns einmal mehr einen bereichernden erfüllten Tag geschenkt hat.

Irmgard und Dr. Robert Walpen

Drang zur Verwandlung


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W. A. Mozarts Symphonie Nr. 40 in g-moll mit Gebhard von Gültlingen

Es erscheint mir zwar unmöglich, das reiche, tiefe und bereichernde Geschehen dieses Wochenendes auch nur annähernd den Lesern zugänglich zu machen, und doch möchte ich einfach ein paar Gedanken – die glaube ich grundsätzlich sind – und Erfahrungen die subjektiv sind, versuchen darzustellen.

Gespannt auf die Möglichkeit, einmal eine ganze Symphonie zu arbeiten – meint natürlich musicosophia-meditations-mässig – bin ich mit der Bereitschaft zur Verwandlung (also noch nicht Drang) in dieses Wochenende eingestiegen. Gebhard begann mit uns den 2.Satz Andante schrittweise, gründlich, wiederholend und mit seinen Erfahrungen und Kenntnissen durchzugehen. Die erste Verwandlung machte ich schon am Freitagabend durch, als ich die Situation so einschätzte, dass wir wohl kaum die ganze Symphonie angehen werden.

Und so war es denn auch. Da der 2.Satz der entscheidende sei, haben wir mit ihm auch am Samstag weitergemacht, bzw. hat er uns weiter beschäftigt. Und erst am Sonntag taten wir noch einen genial geführten Einblick in den ersten Satz.

Und wenn ich arbeiten, durchnehmen, weitermachen sage, so heisst das, dass wir schrittweise in die Sprache dieses Opus einstiegen, dass mir die Musik immer mehr zur Sprache wurde, dass die Töne, melodischen Kräftebewegungen, die Aktivitäten der verschiedenen Instrumente usw. immer mehr zu einer Mitteilung wurden. Und um diese wenigstens ahnungsweise entgegennehmen zu können musste ich, durfte ich mein Verständnis von Musik-Meditation grundsätzlich verwandeln.

Es steht zwar im Flyer und an vielen andern Orten was mit Musikmeditation gemeint ist. Und Gebhard brachte es – in einem sehr entscheidenden Moment – nochmals klar zu Bewusstsein: Musikmediation ist:
I. Ebene: 1. Stille, 2. Singen, 3. Fragen
II. Ebene: 4. Bögen, 5. Abc /ABC, 6. Linien
III. Ebene: 7. Gebärde (Die Hand nimmt wahr), 8. Verstehen / Sinn, 9. Stille.

Und immer wieder hören, nochmals hören, vielleicht auch nur abschnittweise hören . . .

Und so haben wir gearbeitet. Aus dem „üblichen, gesellschaftlichen, heute gängigen“ Zusammenhang und Verständnis heraus ist Meditation vor allem „in sich hören, warten, Kopf ausschalten“ usw. Aber bei Musicosophia glaube ich, dass eben beides zusammen gehen sollte, um in die Musik, in die Sprache der Musik, in die Welt der Musik hineinzukommen. Auf der II.Ebene ist man vermeintlich eher intellektuell, kopf-aktiv. Aber kann man nicht in meditativer Haltung Bögen, Linien suchen, Abschnitte bezeichnen, Abschnitte vergleichen. Ich machte dieses Wochenende die Erfahrung, dass wenn ich nicht „buchhalterisch“ und „mathematisch“ daran gehe, sondern „musicosophisch“, mir die Aussage von Furtwängler klar wird: „Die Musik ist – was die meisten heute nicht mehr wissen – nicht eine Aufeinanderfolge von Tönen, sondern das Ringen von Kräften“.

Und am Montagvormittag habe ich zu Hause diesen 1. + 2. Satz ohne jede Unterlage wieder gehört und war überwältigt, betroffen, erschüttert. Ich hatte das Gefühl und die Wahrnehmung, dass diese Musik im Kopf und Herz angekommen ist. Dass einiges dieser Musik mich erreicht hat oder eben dass ich für einiges dieser Musik empfangsbereit war.
Das lässt mich den Schluss ziehen, dass die Arbeit fruchtbar war, wirksam, wenn auch vielleicht in einem für „Choleriker“ etwas langsamen Prozess. Und immer wieder haben die Seminarleiter uns ans Herz gelegt: Die Musik hat immer eine Wirkung auf uns, ob wie sie wahrnehmen oder nicht. Um einfach ein Beispiel anzufügen, wie dies auch dieses Wochenende wiederum sich bewahrheitet hat: Vor allem der Beginn des 2.Satzes dieser Symphonie spricht von in uns aufsteigenden Kräften oder einem „Sich-öffnen“ um das von oben Kommende aufnehmen zu können. Seit Montag höre ich diesen Satz täglich und es fand und findet in mir genau dieser Prozess statt. Vor diesem Wochenende mir unbewusste Vorstellungen über „Mensch und Welt“ werden in mir wach und verwandeln meine Sicht des Lebens und Zusammenlebens. Und damit mich selber.

Und zwei wichtige Erfahrungen kommen noch hinzu: Wo man mit der Musikmeditation ankommt ist individuell! Und weil es individuell ist, spielt das Wissen, die Erfahrung mit Musik und vielem andern im Leben entscheidend mit, was, wieviel und wie ich wahrnehme. Und da hat uns Gebhard viel Anregendes, Öffnendes und Bereicherndes angeboten. Danke!
Hugo Jäggi

„Hör auf zu beben, bereite dich zu leben!“


 
„Dies war für mich die beste Art, Ostern zu verbringen!“ Diese Äußerung einer ganz neuen Teilnehmerin konnten wohl alle Anwesenden unterschreiben. Es herrschte durchweg ein freudig angeregter und aufmerksamer Geist während des Osterseminars.

Gebhard von Gültlingen begrüßte am Karfreitagabend die Teilnehmerinnen und Teilnehmer und gab einen kleinen Überblick über die Symphonie und die geistige Welt Mahlers zum Zeitpunkt der Entstehung dieser Symphonie. Um die Gruppe nicht gleich am ersten Abend mit den Schroffheiten des ersten Satzes zu „überfallen“ war geplant, mit dem sanft-nachdenklichen 4. Satz, dem „Urlicht“, zu beginnen. So stellte ich dieses in einem ersten Überblick vor, und ließ die Gruppe mit den einzelnen Abschnitten vertraut werden.
Der Samstagvormittag gehörte dem 1. Satz. Gebhard von Gültlingen wusste diese spannungsreiche Musik sowie die Lebensphilosophie Mahlers anschaulich zu verbinden und beides der Hörerschaft nahe zu bringen. Der Nachmittag brachte mit dem zweiten Satz etwas Entspannung. Alvaro Escalante präsentierte diese dem Ländler Stil abgelauschte Musik, die auch stürmische Episoden enthält, mit Humor und Tiefsinn, so dass ihr die Aufmerksamkeit der Hörerinnen und Hörer durchweg sicher war. Am Sonntagvormittag schloss er die Musik ab, bevor ich das „Urlicht“ zu Ende führte, in dem die Gruppe die Zuversicht spüren konnte, die den Wünschen, Fragen und Zweifeln folgte.
 
Am Nachmittag ein Debut: Jorge Dzib, weitaus der Jüngste im Team, Schüler von Alvaro Escalante in Mexico und nun von George Balan persönlich, stellte sich erstmals als Seminarleiter vor. Mit Deutlichkeit führte er zunächst durch Mahlers Lied „Des Antonius von Padua Fischpredigt“, um dann zu zeigen, wie es im 3. Satz der Symphonie aufgegriffen und mit weiteren Themen ergänzt wird. Apokalypse und Apotheose am letzten Vormittag mit dem 5. Satz, den wiederum Gebhard von Gültlingen übernommen hatte. Der erste Teil konnte der Länge des Satzes wegen nur skizziert werden. So stellte er nur die einzelnen Themen vor, welche die Basis des Satzes bilden: Das Thema der Apokalypse, des Rufers, des Dies Irae, der Auferstehung. Diese konnte man dann leicht in ihrer Entwicklung verfolgen. Schwerpunkt und emotionaler Höhepunkt bildete dann der alles entscheidende Chorus Mysticus mit dem Auferstehungsthema.
 
Ein Werk von gewichtigem Ausmaß war lebhaft mit offenen Herzen aufgenommen worden! Belebt und angeregt waren alle dankbar für das großartige Erlebnis.
Carola Zenetti

Fortbildungslehrgang F2 in November 2017


 
Der erste Satz von Mozarts 21. Klavierkonzert stand im Mittelpunkt unserer Fortbildung. Er wurde von drei Seminarleitern vermittelt, aber im Grunde war es ein sehr wohltuendes engagiertes Zusammenwirken der ganzen Gruppe. Alle TeilnehmerInnen waren bestens vorbereitet, so konnten wir uns intensiv mit dieser vitalen Musik beschäftigen.

Hubert Pausinger, der nach Österreich umgezogen ist, und Gebhard von Gültlingen, der Seminare in Italien zu geben hatte, hatten Manfred Lellek und Carola Zenetti mit der Moderation dieses Wochenendes betraut. Diese eröffneten es am Donnerstagabend mit der Exposition 1 des Konzertsatzes. Renate Schwab gestaltete den Freitagvormittag sehr belebend mit der Exposition 2. Am Nachmittag beleuchtete Carola Zenetti die Durchführung, die mit ihren klagenden Elementen den ruhigeren Charakter dieser Musik erleben ließ. Manfred Lellek übernahm die lebhafte Reprise, deren Vermittlung er gegen Ende dieses ersten Seminartages immer meditativer zu gestalten wusste. Das war nach der gründlichen Beschäftigung mit den ersten Teilen dieser Musik zum Ende des Tages hin die passende und ausgleichende Vorgehensweise.
Am Samstag schaltete das Moderatorenteam den dritten Satz des 18. Streichquartetts von Mozart dazwischen. Carola Zenetti schälte die Eigenschaften des Themas heraus und fügte noch die ersten drei Variationen an. Manfred Lellek führte am Nachmittag bis zum Schluss.
Am Sonntagvormittag wurde der Konzertsatz von Manfred Lellek wiederholt, Carola Zenetti fügte noch Kadenz und Coda hinzu, und nach einem Schlusshören des gesamten Satzes war das Seminar zu Ende. Sehr erfüllend und intensiv war es verlaufen und entbehrte doch nicht einer gewissen Lockerheit, die durch das gleichwertige und wertschätzende Miteinander entstanden war.

Carola Zenetti

Anton Bruckner, Hören-verstehen-meditieren

 
Wie schon in den letzten Jahren, war auch diesmal das Musicosophia–Seminar in Seitenstetten der Musik von Anton Bruckner gewidmet. Das Bildungshaus St. Benedikt bildet den idealen Rahmen, um den Alltag hinter sich zu lassen und sich mit dieser bedeutenden Musik eingehend zu befassen.
 
 
An diesem strahlenden Herbstwochenende erarbeitete Hubert Pausinger mit 17 Teilnehmern den 2. Satz aus der 3. Symphonie in d-Moll in der Fassung von 1888/89. Die Gruppe war mit Entdeckerfreude, großem Engagement und vor allem auch bewundernswerter Konzentration und Ausdauer dabei.
 
 
Am Samstagabend zeigte Hubert Pausinger die Unterschiede zwischen den drei verschiedenen Fassungen auf. Anhand einer Aufnahme mit dem Dirigenten Peter Jan Marthé aus dem Jahr 2005 wurden diese besonders anschaulich. Herr Marthé hatte in diesem Satz alle drei Versionen zusammenführt. Aufgrund vorangegangenen Hör-Arbeit konnten die Teilnehmer die drei Fassungen sehr gut unterscheiden. – Dieses intensive Seminar war eine große Bereicherung für alle. Wir freuen uns schon auf November 2018, wenn wir dann den ersten Satz dieser Symphonie entdecken werden.

Gertraud Pausinger


 
Einige Echos von Teilnehmern zum Seminar:

Eine Teilnehmerin aus Graz:
„Da kommen Entdeckfreude und Erkenntnislust auf!“

Peter Puxkandel, Baden bei Wien:
„Nochmals vielen Dank für das intensive Seminar. – Nach dem Bruckner Seminar „Te Deum“ im vorigen Jahr im Stift Göttweig tauchte ich nun in Seitenstetten voll in den 2. Satz von Bruckners 3. Symphonie ein. Welch ein Erlebnis! Das motorische Durchschreiten der Symphonie im Kreis öffnete gleich am Eröffnungstag alle Sinne für das Aufnehmen der Musik. Welch ein großer Unterschied war hier nach intensiver Arbeit am letzten Tag zu bemerken. Nahezu beschwingt wurde nun der Schritt von Bruckner gelenkt. Der Unterschied war überwältigend! Das Seminar hat mich wunderschön bereichert. Ich freue mich auf das nächste Seminar 2018.“

Eine Teilnehmerin aus St. Florian:
„Anton Buckner zieht den Hut vor Ihnen und Ihrem großartigen Seminar. Danke!“

Eine Musikmeditation mit Beethoven

 
Zu seinem 10. Jubiläum in Nütschau hatte Manfred Lellek ein großes Stück Beethoven für das Seminar gewählt: den 1. Satz des 4. Klavierkonzerts. Ein Werk von 20 Minuten, das nicht nur komplex ist, sondern auch wegen großer Klavierläufe nicht einfach zu fassen ist.
 
Um die Teilnehmer, unter denen neue waren, nicht zu überfordern, hatte Manfred Lellek uns am ersten Nachmittag nur die Exposition hören lassen, die wir dann bis zur Melorhythmie gearbeitet hatten. Erst gegen Ende dieser Einheit – nach intensiver Arbeit der Gruppe – wurde der ganze Satz zu Gehör gebracht. Unser Eindruck war, obwohl uns ja inzwischen die Exposition vertraut war, dass noch einiges an Konzentration und Anstrengung vor uns lag. Ein Hören des gesamten Satzes zu Beginn des Nachmittags hätte uns vielleicht den Mut genommen. Schon am nächsten Morgen mit der 2. Exposition entdeckten wir, dass die Musik viele kleine zarte Lichtblicke in sich birgt; immer wieder tauchten sie während des ganzen Satzes unverhofft für einen Moment auf.
 

Obwohl die Gruppe klein war, entstand eine gute Zusammenarbeit. Jeder hatte seine Eindrücke und musikalischen Erfahrungen beigetragen. Dank der guten und engagierten Führung von Manfred Lellek durch den ersten Satz hat er uns die Musik verständlich gemacht und nahe gebracht. Auch die neuen Teilnehmer konnten sich zurechtfinden und wurden von der Musik erfüllt. Hierbei half sehr die oft ausgeführte Melorhythmie, die bei uns zu tieferen musikalischen Erlebnissen führte.

In bewährter Weise hörten wir zu Beginn einer jeden Einheit ein zweites Musikstück, dass Quartett aus Fidelio. Diese Art der Ouvertüre lässt die Gruppe zur Ruhe kommen und öffnet sie für die Musik.  

Ebenso fruchtbar ist die kurze Abendeinheit im Schweigen mit einem kleinen Musikstück, die wie ein tiefes Durchatmen und In-sich-gehen jeden Tag abschloss.

Kerstin Kreft

DIE KLANGWELT ANTONS BRUCKNERS

 
Wenn ich nach dem Seminar einen Abschlussbericht verfasse, empfinde ich jeweils ein leises Gefühl der Wehmut, weil das Seminar vorbei ist. Umgekehrt bietet mir das Schreiben jedoch die Möglichkeit, das Erlebte zu erinnern und zu verinnerlichen.

Abschied nehmen hat immer auch einen Anteil „Endgültiges“, Abschied nehmen ist immer auch ein wenig sterben. „Alles Morgen ist verhangen“ schreibt Lorenzo, il Magnifico, in einem Gedicht.

Das Seminar

Acht Teilnehmende beschäftigen sich während anderthalb Tagen intensiv mit der „Klangwelt von Anton Bruckner“. Das Fazit des Seminars vorausgenommen heisst: Die Musik Anton Bruckners ist nicht ohne viel „Einsatz zu haben“, aber wer den Einsatz erbringt, wird durch ihre Tiefe und ihren Reichtum für jede Anstrengung vollauf entschädigt.

Samstagvormittag

Das Seminar beginnt mit der Motette „Locus iste“ von Anton Bruckner, ein Musikstück von rund drei Minuten Dauer. Bruckner komponiert die vierstimmige Motette im Jahre 1869 für die Einweihung der Votivkapelle des neuen Doms in Linz.

Der Text der Motette beruht auf einer Bibelstelle aus dem Buche Genesis, die von der Reise Jakobs von Beerscheba nach Haran zu seinem Onkel Laban berichtet. Wie es Nacht wird, sucht er einen Stein und legt sein Haupt darauf, um zu schlafen. In der Nacht hat er den berühmten Traum von der „Himmelsleiter“, auf der Engel auf- und herniedersteigen. Und wie er aufwacht, spricht er: „Quam terribilis est locus iste“, wie „schrecklich ist dieser Ort“. Darauf nimmt er den Stein, auf dem er geschlafen hat, setzt ihn als Gedenkstein und nennt den Ort Bet-El, Gotteshaus.

Der Text am Anfang wird gekürzt und am Ende ergänzt und lautet bei Bruckner: „Locus iste a deo factus est inaestimabile sacramentum irreprehensibilis est“. Dies bedeutet auf Deutsch „Dieser Ort ist von Gott geschaffen, ein unschätzbares Geheimnis, kein Fehl ist an ihm“. Bruckner schafft daraus ein schlichtes, ergreifendes Stück Musik, das heute besonders bei Kirchweihfesten oft aufgeführt wird.

Wegen der Kürze und der Schlichtheit des Stücks eignete sich das Werk gut für einen Eintritt in die „Klangwelt Bruckners“ und konnte von uns Teilnehmenden während der Vormittagsstunden erfasst und auch melorhythmisch eingeübt werden.

Samstagnachmittag

Der Nachmittag wird zur harten Herausforderung; wir beschäftigen uns mit dem 1. Satz der 4. Symphonie von Anton Bruckner. Schon allein die Dauer des Stücks mit 17 Minuten stellt einen grossen Anspruch an das bewusste Hören. Wie es anschliessend darum geht, den Satz zu erarbeiten, kostet dies viel Konzentration und Zeit; durch Renate Schwabs kluge Führung entdecken wir schliesslich als Gliederungsstruktur eine Art „Sonatensatz“: Eine Exposition mit drei Themen; nach einer „Transition“ die Durchführung und abschliessend die Reprise mit einer Coda


Die eingescannte „bildliche Umsetzung“ der Übersicht der Exposition zeigt augenfällig wie komplex und vielschichtig Anton Bruckners „Klangwelt“ ist.

Dr. Robert Walpen

Die Gründungsversammlung des Vereins musicosophia austria


 
v. li. stehend: Knut u. Hannelore Klaner, Gerlinde Eichinger, Anita Stollnberger,
Elfriede Eisenbeiss, Dr. Maria u. DI Toni Buchgeher.
v. li. sitzend: Hubert u. Gertraud Pausinger, Dr. Peter Kien
 

Am Nachmittag des 9. Septembers kamen wie erwartet zehn Mitglieder des österreichischen Musicosophia-Vereins zur Gründungsversammlung nach Eidenberg / Linz. Das Wetter war mild und sonnig und unsere Freunde heiter gestimmt: Ideale Voraussetzungen für eine Gründungsveranstaltung.

Bei der Begrüßung sprach ich, Hubert Pausinger, unseren besonderen Dank an Maria und Toni Buchgeher aus, die einen entscheidenden Beitrag und enormen Einsatz zur Gründung der Musicosophia in Österreich geleistet haben.

In den ersten Tagesordnungspunkten kamen Zweck und Aufgabe unseres neuen Vereins zur Sprache sowie die Details der Finanzierung. Diese steht auf einer soliden Basis. Das ist vor allem einigen deutschen Freunden zu verdanken, die mit ihren zum Teil sehr großzügigen Spenden unserem Projekt eine Starthilfe geben wollten. Ihnen gilt unser ganz besonderer Dank! – Dem Musicosophia-Verein Österreich fließen zusätzlich zu den Spenden auch sämtliche Einnahmen aus dem Seminarbetrieb zu. Dadurch wird es möglich, dass wir, Gertraud und Hubert Pausinger, ab Januar 2018 zu einem Nettogehalt von 500,- € monatlich eine Anstellung beim Verein erhalten. Damit ist unsere Kranken- und Sozialversicherung gesichert, und wir können unsere volle Arbeitskraft in den Dienst von Musicosophia stellen. Das ist für uns eine große Beruhigung und wir danken allen ganz herzlich, die mit Ihren Spenden das möglich gemacht haben.

Der Vorstand des neugegründeten Vereins wurde einstimmig gewählt und setzt sich wie folgt zusammen: Hubert Pausinger (Obmann), Gertraud Pausinger (Kassierin), Dr. Peter Kien (Schriftführer). Die ebenso einstimmig gewählten Rechnungsprüfer sind Anita Stollnberger und Knut Klaner. Im Weitern wurde in dieser Gründungsversammlung beschlossen, dass Gertraud und Hubert Pausinger beim Verein angestellt werden, dass der Verein für einen Miet- und Betriebskostenzuschuss aufkommt und dass im gegebenen Fall beim zuständigen Finanzamt die volle Gemeinnützigkeit beantragt wird. Schließlich einigte man sich noch auf folgende Mitgliedsbeiträge: Jahresbeitrag für eine Person 50,- €, für Paare 75,- € und für Jugendliche unter 25 Jahren 25,- €. Der im Vergleich zum deutschen Verein niedrige Mitgliedsbeitrag begründet sich damit, dass den österreichischen Freunden bei den meisten Seminaren keine Vergünstigungen möglich sind.
 
Nach dem formellen Teil der Generalversammlung ging es in die wohlverdiente Pause. Nach guter österreichischer Art wurden Kaffee mit Schlagobers (=Sahne), mitgebrachter Kuchen und Köstlichkeiten aller Art angeboten. Mit einem Glas Sekt stießen wir noch auf dieses freudige Ereignis an und alle Teilnehmer wünschten „musicosophia austria“ einen guten Start! Als Dank und Würdigung an die Musik, beschlossen wir diesen besonderen Tag mit einer Musikmeditation mit dem Lied „An die Musik“ von Franz Schubert in der Fassung für Klavier und Cello.
 
Hubert Pausinger

Das erste Musicosophia-Seminar im Freiburger „Waldhof“

Der „Waldhof“ ist ein Bildungshaus mit viel Atmosphäre unter unkomplizierter familiärer Führung, ein Glücksfall nicht nur für Musicosophia. Der Leiter des Hauses betreut die Kurse mit viel Herz und Heiterkeit. Für diesen Start hatten er und ich Musik von Beethoven gewählt, denn dieser Name versprach auf gute Resonanz zu stoßen. So konnten wir denn auch 13 sehr aufgeschlossene Teilnehmende begrüßen, die mit großer Aufmerksamkeit das Geschehen in der Musik verfolgten und sich engagiert zu Wort meldeten.

Wir hörten den zweiten Satz der fünften Symphonie, in der sich außerordentliche Wandlungen abspielen. Diese zu entdecken und mit zu vollziehen war für die Hörerinnen und Hörer – allesamt Neulinge bei Musicosophia – ein beeindruckendes Erlebnis. Zwei Herren waren extra wegen dieses Komponisten gekommen. Der eine hatte den Tag von seiner Frau zum Geburtstag geschenkt bekommen und erklärte strahlend, dass er sich vom ersten Ton an zu Hause gefühlt hätte. Diese Musik hat die Menschen tief erreicht, und sie waren dankbar für das reiche musikalische Erleben.

Carola Zenetti

EINE BEGEGNUNG MIT DER MUSIK VON HEINRICH SCHÜTZ


 

Die Teilnahme am Seminar

Als meine Frau und ich im Frühling 2013 die Organisation der Musicosophia-Seminare in Zürich übernahmen, setzten wir uns zum Ziel, wenn immer möglich, nie ein Seminar absagen zu müssen.
Das ist uns bisher gelungen, diesmal aber lag das Scheitern nahe, ganze sieben Personen meldeten sich für das Seminar an. Viele von denen, die bisher teilnahmen, mussten sich mit einleuchtenden Gründen abmelden und am Vortag der Durchführung erkrankte zudem eine Person.
In Absprache mit Renate Schwab entschieden wir uns trotzdem für die Durchführung, beschränkten allerdings das Seminar auf den Samstag, um damit die Kosten zu senken. Die Befürchtung, dass die kleine Zahl der Teilnehmenden sich auf die Qualität der Diskussion zur Musik negativ auswirken könnte, bewahrheitete sich jedoch nicht. Auch wenn nur wenige am Seminar teilgenommen haben, für sie bleibt das Seminar eine beglückende und bereichernde Erinnerung.
Die Suche nach Interessierten ist eine Tätigkeit, bei der Aufwand und Erfolg nicht „immer“ in einem guten Verhältnis stehen. Trotz Dutzenden von aufgehängten Plakaten und zahlreichen persönlich zugestellten Einladungsschreiben mit beigelegten Flyern ist Zürich ein „hartes Pflaster“ für diese Art von Seminaren. Die Unterstützung der Teilnehmenden mit persönlicher „Werbung“ könnte sehr hilfreich sein.

Die Person des Heinrich Schütz

Heinrich Schütz (1585 – 1672) gilt als der bedeutendste deutsche Komponist des Frühbarocks. Zunächst wird er zum Organisten ausgebildet; er absolviert dank eines Stipendiums des Landgrafen von Hessen-Kassel ein dreijähriges Studium bei Giovanni Gabrieli in Venedig. Nach Kassel zurückgekehrt, beruft ihn Landgraf Moritz zum zweiten Organisten. Einige Jahre später tritt er in den Dienst des sächsischen Kurfürsten Johann Georg I. in Dresden und wird später Kapellmeister am sächsischen Hof, eine Funktion, die er bis zu seinem Lebensende innehat.
In seiner Frühzeit komponiert Schütz Madrigale in italienischer Sprache, dann vor allem geistliche Vokalmusik zu lateinischen, besonders aber zu deutschen Texten. Seine Musik ist bestimmt für die Hofgottesdienste, aber auch zu höfischer Unterhaltung und Repräsentation. Als seine dienstliche Hauptaufgabe sieht er die Bereitstellung von Musik zu aussergewöhnlichen Anlässen wie grossen Hoffesten oder politischen Ereignissen.
Im hohen Alter von 87 Jahren stirbt Heinrich Schütz und wird in der Dresdner Frauenkirche beigesetzt. Mit ihrem Abriss 1727 geht allerdings seine Grabstätte verloren; nur ein im Kirchenboden eingelassenes Gedenkband in der heutigen Frauenkirche erinnert an diesen ersten deutschen Musiker von europäischem Rang. (Geschrieben unter Zuhilfenahme von https://de.wikipedia.org/wiki/Heinrich_Sch%C3%BCtz).

Das Seminar

Aus dem umfangreichen Werk von Heinrich Schütz werden im Seminar allerdings „nur“ drei Ausschnitte vertieft bearbeitet und zwei längere angehört. Frau Renate Schwab erzählt, dass sie in ihrer Jugendzeit Mühe mit der Musik von Heinrich Schütz gehabt habe, vor allem mit den immer wieder wiederholten Psalmenvertonungen. In der Vorbereitung für das Seminar setzt sie sich nun wieder und vertieft mit seiner Musik auseinander und findet einen neuen Zugang zu ihr.

Eingangs spielt Renate Schwab dem Seminar die nur 3 Minuten und 39 Sekunden dauernde Motette „Herr, wenn ich nur Dich habe“ vor. Wegen ihrer Kürze und den noch kürzeren musikalischen Abschnitten kann das Stück von den Teilnehmenden nach mehrfachem Hören „begriffen“ und verinnerlicht werden. Beim nächsten Stück, der Motette „Also hat Gott die Welt geliebt“, (SWV 379), ist das Erfassen und Strukturieren um vieles anforderungsreicher, auch wenn es nur unwesentlich länger ist (4 Minuten, 21 Sekunden). Der Text wird von zwei Chören zu je vier Stimmen vorgetragen, die Melodien sind polyphon so meisterhaft ineinander verwoben, dass sich das Auseinanderhalten und später das Aufzeichnen der Melodielinien als schwierige Aufgabe erweist.

Diese Motette ist vergleichbar einem farbig gewobenen Teppich, der zwar keine klare Musterung erkennen lässt, dessen farbliche Komposition aber stimmig und beeindruckend bleibt.
Anschliessend beschäftigen sich die Teilnehmenden mit einer ganz andern Art „Schützscher Musik“, den „Musikalischen Exequien“, (op. 7, SWV 279 – 281). Das fast eine halbe Stunde dauernde „Concert in Form einer Teutschen Begräbnis-Missa“ beruht auf Bibeltexten und andern Texten. Diese hat Schütz selber ausgesucht und zusammengestellt, z. B. „Ach, wie elend ist unser Zeit allhier auf dieser Erden, gar bald der Mensch darnieder leit, wir müssen alle sterben, allhier in diesem Jammertal ist Müh und Arbeit überall, auch wenn dirs wohl gelinget.“

Besonders berührend ist die abschliessende Beschäftigung mit der Motette zum Psalmtext 23: „Der Herr ist mein Hirt.“ Heinrich Schütz, der etwa hundert Jahre nach Martin Luther im Ursprungsgebiet der Reformation lebt, muss vom Text des Psalms tief betroffen gewesen sein, um eine so berührende Musik zu schreiben. Es ist anzunehmen, dass ihn vor allem die geniale Übersetzung des Psalms durch Martin Luther überzeugt hat. Ein Vergleich des Luthertextes mit einem Ausschnitt aus der „Zeinerbibel“ um 1475 macht augenfällig, welche Kraft die Übersetzung Martin Luthers hat: „Der Herr ist mein Hirte, / Mir wird nichts mangeln. Er weidet mich auff einer grünen Awen / Und füeret mich zum frisschen Wasser.“ In der Zeinerbibel klingt der gleiche Ausschnitt recht hölzern und auch schwer verständlich: „Der herr regieret mich, und mir gebrist nichts: und an der stat der weyd da satzt er mich. Er hat mich gefüeret auff dem wasser der widerbringung, er bekert mein sel.“

Zum Schluss wollen wir die Gelegenheit ergreifen, allen Leserinnen und Lesern dieses Beitrags eine sonnige Frühlingszeit und frohe Ostern zu wünschen.
Irmgard und Dr. Robert Walpen

„Meditation der Wandlungen“

Neue Hörerinnen und Hörer, sowie solche, die schon lange mit Musicosophia verbunden sind, hatten sich am Karfreitagabend zum Seminar mit dem Thema „Meditation der Wandlungen“ mit Musik von Ludwig van Beethoven eingefunden. Nach der Begrüßung der Gäste durch Gebhard von Gültlingen leitete Carola Zenetti zum ersten Musikstück dieses Wochenendes über. Für den Einstieg hatte sie sich die ersten Abschnitte des Andante con moto aus dem Streichquartett op. 18 Nr. 3 in D-Dur vorgenommen. Es weist verschiedene Verwandlungen des A-Themas auf, deren erste bereits an diesem Abend entdeckt und erfahren wurde.

Am Karsamstagmorgen führte Gebhard von Gültlingen die Gruppe durch den zweiten Satz des 5. Klavierkonzertes und ließ die feinsinnige Beziehung zwischen Soloinstrument und Orchester und deren Verwandlung hörbar werden. Der Nachmittag brachte Fortsetzung und Schluss des Streichquartettsatzes. Mit großer Achtsamkeit verfolgte die Gruppe die weitere Entwicklung des Hauptthemas und beobachtete, wie zuletzt auch die inneren Zusammenhänge immer klarer hervortraten und das Ende der Verwandlungen erreicht wurde. Gebhard von Gültlingen griff am Ostersonntag das Klavierkonzert wieder auf und machte das Entwicklungsgeschehen im zweiten Satz weiter deutlich, so dass sich der daraus hervorgehende letzte Satz in seiner Fulminanz anschließen konnte, eine Musik der Auferstehung.


Alle Teilnehmenden zeigten sich beeindruckt von Beethovens Kunst musikalischer Verwandlungen. Dazwischen gaben Pausen Gelegenheit, die musikalischen Prozesse nachklingen zu lassen und miteinander ins Gespräch zu kommen.

Carola Zenetti
 
 

Eine Musikmeditation mit Mozart im Kloster Nütschau 2017


 
Bereits im 9. Jahr leitet Manfred Lellek die Musicosophia-Seminare in Nütschau. Wie jedes Frühjahr war das Seminar auch in diesem Mozart gewidmet, und wir wurden von Mozart wieder reich beschenkt. Die Gruppe war diesmal nicht so groß wie gewohnt, doch entstand – obwohl sie überwiegend aus neuen Teilnehmern bestand – eine gute und fruchtbare Arbeitsatmosphäre.

Zu Beginn der Seminareinheiten fanden wir mit dem ‘Ave verum corpus’ zur Besinnung und Sammlung. Die Motette bereitete den Boden für die musikalische Arbeit an den beiden Hauptwerken des Seminars, den langsamen Sätzen aus der Sinfonia concertante Es-Dur und der Klavier-Sonate Nr. 18. Als Neuheit in Nütschau hat Manfred Lellek das Gehen zur Musik – hier jeweils zu einem Thema – eingeführt, das ich schon aus den Musikmeditationen in St. Peter kenne. In den meisten Fällen machte ich die Erfahrung, dass ich durch das Schreiten und genaue Lauschen auf die Bewegung der Musik diese bewusster wahrnehme. So näherten wir uns der Musik in mehreren Schritten, nahmen sie in uns auf, um ihr dann in der Melorhythmie (musikalische Gebärde) Ausdruck zu verleihen. Zwischendurch gab es immer wieder Zeiten der Stille, in der die wunderbaren Töne Mozarts nachklingen konnten, was von den Teilnehmern als wohltuend und bereichernd erfahren wurde. Eine kleine Abendeinheit ganz im Schweigen beendete die Tage.

So gingen wir erfüllt von der Musik Mozarts nach Hause. Zum guten Gelingen des Seminars trug auch der besondere Ort des Klosters Nütschaus bei, in dem wir uns willkommen und angenommen fühlten.

Kerstin Kreft

George Balan feiert seinen 88. Geburtstag


 
George Balan wollte seinen 88. Geburtstag auf eine besondere, ihm entsprechende Weise begehen: Mit einem Seminar über Musik und das Altern. Das Interesse für die Veranstaltung war erwartungsgemäß sehr groß. Die Organisatoren der Musicosophia-Schule fühlten sich daher veranlasst, schon im Vorfeld die Anzahl der Seminarplätze auf 50 zu begrenzen. Tatsächlich waren die meisten schon kurz nach Aussendung der Einladungen vergeben, und es dauerte nicht lange bis viele Interessenten sogar auf einer Warteliste standen. George Balans Ausstrahlung entsprechend kamen Freunde aus allen Ländern, in denen die Musicosophia tätig ist. Sogar aus México und Kolumbien waren Verehrer und Verehrerinnen des hochgeschätzten Maestro Balan angereist.

Der Jubilar selbst schonte sich nicht, und mit einem Mammutprogramm von Vorträgen, zahlreichen Videobeispielen und musikalischen Einlagen – diese bestritt Gebhard von Gültlingen – versuchte er das Thema „Der Musiker, der Hörer und die Herausforderungen des Alterns“ in Szene zu setzen. Zu erwähnen ist, dass der Text seiner fünf Vorträge in drei Sprachen (deutsch, spanisch, italienisch) abgefasst war. Natürlich sprangen ihm Freunde für die schriftlichen Übersetzungen bei (für das Spanische Pilar López Novales, für das Italienische Davide Arzenton), doch beteiligte er sich auch an diesen wesentlich und übernahm – so wie man es von ihm seit jeher gewohnt war – die volle inhaltliche Verantwortung. Die Beiträge, die Balan im freien Vortrag brachte, wurden mit bemerkenswertem Einsatz von Gebhard von Gültlingen simultan übersetzt.

Schon sein Auftritt am Freitagabend überraschte: Da stand kein achtundachtzigjähriger schwacher Greis am Pult, sondern ein von Energie sprühender Vortragender. Alle Bedenken, ob George Balan die Strapazen seines intensiven Programms auch durchhalten könne, waren spätestens am Samstag vollständig zerstreut: Er gestaltete selbst noch die Abendeinheit, ohne irgendwelche Anzeichen von Erschöpfung zu zeigen. Und am Sonntagmorgen konnte der Altmeister sein Seminar genauso beenden wie er es vorgehabt hatte: Ganz unspektakulär erklärte er, dass dies sein letzter öffentlicher Auftritt gewesen sei.

Die Teilnehmer zeigten sich beeindruckt von der enormen geistigen Leistung, manche waren aber etwas ratlos, weil ihnen der Jubilar keine Gelegenheit gegeben hatte, ihm zu seinem Festtag zu gratulieren. – Ob das auch zu Balans Arrangierungen gehörte, ließ sich nicht ermitteln. Fest steht, dass nach dem Seminar noch viele Gratulationen per E-Mail und per Brief ankamen, und der Jubilar zufrieden und rüstig in sein neunundachtzigstes Lebensjahr geht.

Hubert Pausinger
 

Bildungshaus Schloss Puchberg 2017


 
 
Vom 27. Jänner (Mozarts Geburtstag) bis 29. Jänner 2017 fand im Bildungshaus Puchberg bei Wels in Österreich das Musicosophia Hör-Seminar „W.A. Mozart: Die musikalische Botschaft seiner Zauberflöte“ statt. Hubert Pausinger führte eine Gruppe von 21 Teilnehmerinnen und Teilnehmern auf einer Reise durch die Landschaft der musikalischen Kräfte dieser einzigartigen Oper.
 
 
 

Im Zusammenspiel mit Gertraud Pausingers Unterstützung kam es zu sehr bewegenden Erfahrungen. Die durchgehend sehr positive Resonanz führte dazu, dass ein weiteres Seminar von Musicosophia im Rahmen der Angebote des Bildungshauses Puchberg bereits für Mai 2018 vereinbart wurde.
 
 
 
 
 
Als Nachtrag veröffentlichen wir hier den Brief einer Teilnehmerin:
« Ja es war ein unbeschreibliches Wochenende. Die Musik übt noch immer seinen Reiz auf mich aus. Mittlerweile gehe ich schon mit ihr schlafen oder Auto fahren. Ich habe sehr vieles mitgeschrieben und erfreue mich an den Zeilen, bzw. kann erst jetzt verstehen, was gemeint war. Ich hatte keine Ahnung, was mich an diesem Kurs erwartet, bin noch immer sehr erfüllt. »

Eva Maria Selinger
 

Mit Musik ins Neue Jahr


 
Unsere Sonderseminare zum Jahreswechsel haben im Haus Maria Lindenberg schon eine lange Tradition. Teilnehmer aus Italien, den Niederlanden und allen Teilen Deutschlands waren angereist, um im Haus Maria Lindenberg das Neue Jahr verinnerlicht und in musikalischer Atmosphäre zu erleben.
 
Das Thema „Hymnen an die Nacht“ war als musikalische Hommage an Novalis‘ großen Gedichtzyklus gedacht. Nach der Begrüßung führte Gebhard von Gültlingen zuerst in das Thema und die damit verbundenen mystischen Traditionen ein. Im Anschluss begann er die Hör-Arbeit mit dem Cis-Moll Nocturne von Frédéric Chopin.
 
Es ist eines von Chopins letzten Werke und von zarter, geheimnisvoller Ausstrahlung. Damit war auch die Richtung angedeutet, wohin uns die musikalische Reise an diesem Wochenende führen sollte.
 
Schuberts langsamer Satz aus dem Es-Dur-Trio (D 929, op. 100) – vorgestellt von Carola Zenetti – fügte sich nahtlos an Chopins Nocturne und verdichtete noch einmal die dunkel- unergründliche Atmosphäre.
 
Für den Übergang in das Neue Jahr wählte ich die Ouvertüre aus Haydns „Die Schöpfung“. (Hob. XXI: 2). Sie erschien mir als Symbol für die „Nacht aller Nächte“ die am besten geeignete Musik. „Die Vorstellung des Chaos“ zeigte, dass sie, einer geheimnisvollen inneren Gesetzmäßigkeit gehorchend, hin zum Licht strebt. Diesen „Licht-Gedanken“ nahm Gebhard von Gültlingen am Neujahrstag auf und beschloss das Seminar mit einem wahren musikalischen Feuerwerk: mit dem 1. Satz aus Mozarts Sonate in D-Dur für zwei Klaviere K 448.
 
 

 
Wie hätte man das Neue Jahr fröhlicher begrüßen können? – Das Lächeln der Teilnehmer war der beste Beweis dafür. – Und wir – das Musicosophia-Team – freuen uns schon auf die vielen neuen musikalischen Begegnungen in diesem Neuen Jahr!

(Deutsch) (Español) ENCUENTRO NACIONAL 28 al 31 Octubre 2016

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(Deutsch) Eine Musikmeditation mit Bach im Kloster Nütschau

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(Deutsch) Mit Musik von Anton Bruckner in Seitenstetten

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(Deutsch) Musik-Meditation: Der Seele der Musik begegnen

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(Deutsch) Beethoven in Goslar

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(Deutsch) Juli / August 2016

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(Deutsch) (Español) Joseph Haydn en el monasterio de El Cristo del Pardo de Madrid

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(Deutsch) „Den Kräften der Klänge nachspüren“

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(Deutsch) Anton Bruckner im Stift Göttweig

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(Deutsch) Musicosophia an der Universität Basel

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(Deutsch) Intensive Stunden

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(Deutsch) Osterseminar 2016 in St. Peter

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(Deutsch) (Español) El veintisiete de febrero en la calle Serrano

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(Deutsch) Eine Musikmeditation mit Mozart

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(Deutsch) Musik als Kraftquelle

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(Deutsch) Ave verum

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(Deutsch) Johannes Brahms – Ein deutsches Requiem

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(Deutsch) Musik-Meditation

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(Deutsch) „Hymnen an die Freude“

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(Deutsch) (Italiano) Edvard Grieg-Peer Gynt Roma 15-16 Novembre 2014

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(Deutsch) « Seht, was die Liebe tut. »

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(Deutsch) Ostern 2014 Beethoven und die Auferstehung

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(Deutsch) (Nederlands) Introductiedag De Glind 12 april 2014

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(Deutsch) (Italiano) Mozart: Chiarità e Mistero I divertimenti

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„Die Geschichte der Melorhyhmie“ George Balans Geburtstagsveranstaltung 2014

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Musik und Stille

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Informe del Encuentro Nacional, Toledo Octubre 2012

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Un pomeriggio musicale con i bambini a Trento 13 ottobre 2012

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Deutschland – 21. Internationales Treffen der Musikhörer

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Abschied eines großen Hörers

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Verslag “Mozart en opera” De Glind/Amersfoort 2012

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Primavera 2012: Pomeriggi musicali per bambini a Catania

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Wandern und singen im Mai mit Beethovens Pastorale

vom 26. bis 30. Mai in St. Peter / SW
Anmeldung: Musicosophia-Schule
+49(0)7660-581, carola@musicosophia.de
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